auschwitz1Gemeinsam mit 10 weiteren Jugendorganisationen haben wir ein Bündnis, mit dem Titel „Dass Auschwitz nie wieder sei!“ gegründet und haben eine erfolgreiche Gedenkstättenfahrt nach Auschwitz, mit über 1000 Teilnehmenden, organisiert und durchgeführt.

Desto mehr bedauern wir den Text „Antizionismus- Israelkritik- Antisemitismus?“ im gemeinsamen Bündnisreader. Vorab tragen wir, als DIDF-Jugend, sicher eine gewisse Mitschuld. Sicherlich hätten wir die Readertexte, vor dessen Erscheinen, gründlicher gegenlesen sollen. Zudem hatten wir nicht damit gerechnet, in einem Reader eines so breiten Bündnisses einen offensichtlich antideutschen Text wiederzufinden. So heißt es in besagtem Text: „Trägergruppen des deutschen Antisemitismus sind Neonazis, Teile der Traditionslinken (insbesondere das DKP-nahe Spektrum, Teile der Linkspartei, Trotzkisten), Teile der Bevölkerung mit Migrationshintergrund (insbesondere, aber nicht ausschließlich Islamisten).“

Linke Organisationen, sowie MigrantInnen auf eine Stufe mit Neonazis zu stellen, empfinden wir als anmaßend, ungerechtfertigt, politisch nicht tragbar und dem Geist des Bündnisses widersprechend. Uns ist nicht klar, mit welchen Belegen der Autor diese verallgemeinernde These stützt. So schreibt er doch später „Natürlich ist ‚Israelkritik‘ erlaubt, was in meinen Augen meint: Kritik an der Politik der israelischen Regierung, Kritik an Siedlern oder Interessenverbänden, Kritik am Vorgehen von Polizei und Militär, Kritik am Wirtschaftssystem. Nicht aber Kritik, die ein Kollektiv von acht Millionen Einwohnern undifferenziert verantwortlich macht“. Dabei richtet sich „linke“ Kritik an genau diese Punkte. Die einzige Person, die undifferenziert vorgeht und ganzen Organisationen und dem schwammigen, offenbar als Kollektiv empfundenen, Begriff der „Bevölkerung mit Migrationshintergrund“, die Trägerschaft (!) des Antisemitismus vorwirft, ist der Autor selbst. Zu guter Letzt versucht der Autor den „arabisch-israelischen“ Konflikt herunterzuspielen, indem er darauf verweist, dass er auf der Rangliste der schlimmsten Konflikte des letzten Jahrhunderts auf Platz 49 sei und dabei bis 2007 insgesamt 51 000 Menschen gestorben seien. Für ein Bündnis, das gegründet wurde, um einem der größten Massenmorde der Geschichte zu gedenken, dürfte auch nur ein getöteter Mensch zu viel und solche unangebrachten Abwertungen nicht möglich sein. Aus den oben genannten Gründen sehen wir uns gezwungen, uns von dem gemeinsamen Reader zu distanzieren und fordern unsere BündnispartnerInnen auf, das Gleiche zu tun. Wir bedauern es zutiefst, dass dieser Text einen Schatten auf unsere gute Bündnisarbeit, die Gedenkstättenfahrt und auch auf den Grund unserer Reise wirft, wünschen uns jedoch auch in Zukunft eine starke und solidarische Zusammenarbeit mit den Organisationen des Bündnisses.

Mit solidarischen Grüßen
DIDF-Jugend Bundesvorstand

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