Wenn Kinder und Jugendliche nicht mehr bei ihren Familien leben können, weil sie misshandelt werden oder die Eltern es nicht schaffen, die einfachsten Bedürfnisse der Kinder zu stillen, wenn aufgrund von sozialer Verwahrlosung, Arbeitslosigkeit oder Kriminalität die Kinder ihren Familien weggenommen werden müssen, finden sie meistens Schutz und Geborgenheit in einer Pflegefamilie. Was aber nun, wenn die Pflegefamilie einen anderen kulturellen Hintergrund, eine andere Religion oder eine andere Sprache hat, als das Pflegekind? Auch wenn das im Extremfalle nicht entscheidend für die Gesundheit und das einsames KindWohlbefinden des Pflegezöglings ist: Auch das ist eine Realität der fehlenden, 50-jährigen Migrationspolitik in Deutschland. Allzulange wurde keine vernünftige Integrationspolitik durchgeführt, sodass diese Probleme nun heute aktuell wurden.

Laut türkischen Medien und für den Vorsitzenden der Parlamentarischen Untersuchungskommission für Menschenrechte, Ayhan Sefer Üstün, sei es eine Verletzung der Menschenrechte, dass türkische Kinder christlichen Familien oder wie kürzlich in Belgien homosexuellen Paaren in die Obhut gegeben würden. Bis zu 6000 türkischer Kinder in Europa seien bereits ihren Familien entzogen und bei nichtmuslimischen Familien untergebracht worden, so der Vizepremier der Türkei, Bekir Bozdağ. Dadurch drohe diesen Kindern totale Assimilation. Er verlangt die Unterbringung der Kinder in muslimisch-türkischen Familien und unterstellte deutschen Behörden Fehlentscheidungen. Doch zumeist mangelt es an der nötigen Nachfrage muslimischer Familien nach Pflegekindern.

Anstatt die Gründe für die Trennung des Kindes von der Familie zu erkennen und dieses Problem anzupacken, wird eine Abkapselungsdiskussion entfacht. Laut den Statistiken der Kinder – und Jugendhilfe des Statistischen Bundesamtes sind 2835 (8,5%) von insgesamt 33445 Kindern und Jugendlichen in Pflegefamilien nicht-deutscher Herkunft. Nach Nationalitäten ist nicht mal aufgeschlüsselt.

Daran wird deutlich, dass hier wieder eine spaltende Politik betrieben wird: Die türkischen Politiker versuchen mal wieder, unter den türkeistämmigen in Deutschland die erneute Ablehnung der deutschen Gesellschaft auszusäen und eine weitere Abkapselung zu fördern.

Im Endeffekt sollte man meinen, sollte es darum gehen, dass sich das Kind oder der Jugendliche in der “neuen” Familie wohlfühlt und sich frei entfalten kann. Welche Religion die Pflegefamilie –wenn überhaupt- praktiziert, ist sicherlich nur nebensächlich. Wahrscheinlich haben die türkischen Politiker und Medien einfach Angst aus eigener Erfahrung: Denn schließlich wurden in der türkischen Geschichte nicht wenige armenische oder kurdische Kinder bei nationalistischen türkischen Familien “assimiliert”.