„Der aktuelle Demokratieabbau ist kein Sonderfall. Es gibt einen generellen Widerspruch zwischen unserem Wirtschaftssystem und demokratischer Mitsprache. In einer Gesellschaft, in der der Großteil des Reichtums auf wenige Köpfe verteilt ist, ist auch die Macht ungleich verteilt. Außer den Bundestagswahlen alle vier Jahre haben wir kaum eine Möglichkeit, mitzubestimmen. Weder im Betrieb, noch an der Uni oder in der Schule. Die Wirtschaft wird von Profitinteressen bestimmt anstatt von gesellschaftlichen Bedürfnissen. Eine demokratische Gesellschaft sieht anders aus.“, so der Studierendenverband SDS, der sich deshalb zur Aufgabe machte, den Kongress zu organisieren. Vom 30. November bis zum 2. Dezember trafen sich über 1000 Menschen an der Kölner Uni, um über die Folgen des Kapitalismus zu sprechen.2114841a3fb58a711a0096339f661a77 Der Kongress „Kapitalismus vs. Demokratie“ wurde vom Studierendenverband SDS organisiert und war das größte politische Ereignis dieser Art in diesem Jahr und bat den Jugendlichen eine Plattform, um Netzwerke zu bilden, ihre Ideen auszutauschen und Pläne für zukünftige Kämpfe zu machen. Aus der ganzen Welt reisten Referenten, die über verschiedene Streiks, Bewegungsformen, Kriege und Frauenbewegungen berichteten. Insgesamt fanden 90 Foren statt, die aus allen Bereichen der Politik zusammengewürfelt waren. Zu den Veranstaltungsblöcken gehörten unter anderem: Demokratie&Staat, Rassismus&Antifaschismus, Ökonomie, Marx Lecture, Bewegung&Widerstand. Neben Referenten wie Gregor Gysi, Bernd Riexinger und Sahra Wagenknecht waren auch junge Menschen, die selber an den Bewegungen in Spanien, in Portugal, in Quebec und anderen Ecken der Welt beteiligt waren, anwesend.

Nach drei Tagen voller Diskussionen, Workshops, Bekanntschaften endete der Kongress. Die Jugendlichen konnten zufrieden ihre Schlafsäcke packen und mit neuen Ideen nach Hause fahren.

Cigdem Ronaesin

kongress

[box type=“info“ head=“Generation Widerstand!“]

Über 400 Menschen füllten, zur letzten Veranstaltung des zweiten Tages vom Kongress, den Hörsaal A II der Universität zu Köln. Junge Aktivisten aus Quebec, Griechenland, Portugal und Spanien saßen im Podium und warteten darauf, über ihre Erfahrungen und ihren Kampf im eigenen Land berichten zu können. Die Abendveranstaltung begann mit der Rede von Sarah Wagenknecht. „Es geht nicht um die Eurorettung. Das ist nichts anderes als eine Rettung der Euros der Banken und Konzerne“, so Wagenknecht. Dass die Menschen, die den Reichtum in ihren Ländern schaffen, nun durch etliche Kürzungen und Sparmaßnahmen für die Krise zahlen sollen, könne nicht die Lösung sein. Wagenknecht machte mit ihren Worten klar, dass die Krise des Kapitalismus nur Elend für die Mehrheit der Bevölkerung bringt.

Die jungen Aktivisten im Podium haben die Folgen der Krise wohl eher zu spüren bekommen, als die Jugendlichen in Deutschland. Die nun seit fünf Jahren dauernde Krise hat ganz deutlich gezeigt, dass es eine Generation des Widerstandes gibt. Die zahlreichen Demonstrationen, Blockaden und Streiks in den letzten Monaten waren besetzt mit jungen Menschen in den ersten Reihen.

„Ich lebe in einer Stadt, in der einer der reichsten Menschen aus Europa lebt, aber hier ist fast jeder zweite Jugendliche arbeitslos“, so die Aktivistin aus Spanien.

Ein anderer Aktivist berichtete über die organisierten Studentenstreiks, an die sich dann die Massen der Bevölkerung angeschlossen haben.

„Es ist wichtig sich zu organisieren, jeder muss sich in seiner Schule, an seiner Uni und auf seiner Arbeit organisieren. Nur so kommen wir unserem Ziel Schritt für Schritt näher“, sprach die Aktivistin aus Portugal.

Die Beiträge der jungen Aktivisten motivierten auch die Jugendlichen hier in Deutschland und allen wurde klarer, dass jeder spätestens nach diesem Kongress aktiv werden muss, um die Krisenpolitik zu stoppen.

Bahar Güngör[/box]

Interviews

[one_half][box type=“note“ head=“Larissa aus Bonn, 21 und studiert Politik und Soziologie“]

Was nimmst du inhaltlich mit?
L: Ich habe an ganz verschiedenen Veranstaltungen teilgenommen. Einmal ging es um die Politik Erdogans in der Türkei und wie die Opposition behandelt wird (Oppositionsführung der Türkei unter Erdogan). Dann ging es um Südafrika und die Bergarbeiterstreiks (Blutiges Platin – Die Streiks in Südafrika). Außerdem war ich noch in einer Veranstaltung über Marx, die war etwas theoretischer. Besonders die ersten zwei sehr praktischen Sachen haben mich irgendwie inspiriert. Man weiß ja grob, wie die Politik in der Türkei ist und wie die Streiks in Afrika abgelaufen sind, aber da gibt es so viel Hintergrundwissen, was nicht so öffentlich breitgetreten wird und was super interessant war und sehr zum Nachdenken angeregt hat. Das werde ich mitnehmen, dass ich das auf jeden Fall noch privat weiter verfolgen werde und mich mehr informieren werde.

Wie sollten diese Diskussionen weitergeführt werden?
L: Es ist schon mal ein guter Anfang, wenn man für sich persönlich was mitnehmen kann und das in seinem privaten Umkreis weiter diskutieren kann. Es müsste mehr von dieser Art Kongressen stattfinden, wo Bildungsarbeit geleistet wird. Man müsste immer weiter informieren und auf Stand halten. Foren gründen und diskutieren wäre gut.

Wurde dieser Kongress deinen Erwartungen gerecht?
L: Ich hatte erst mal die Erwartung, dass ich informiert werde, an Diskussionen teilhaben kann. Dem wurde der Kongress auf jeden Fall gerecht. Ich bin zufrieden, mich hat es weitergebracht, es war ein voller Erfolg.[/box][/one_half]

[one_half_last][box type=“note“ head=“Sunita aus Passau, 21 und studiert Staatswissenschaften“]

An welchen Veranstaltungen hast du teilgenommen?
S: Ich hab teilgenommen an den Abendveranstaltungen, die mit Sarah Wagenknecht und den Vertretern der anderen europäischen Protestbewegungen und die „This is what demokracy looks like“ und außerdem an dem Seminar „Kritischer Journalismus/ linker Journalismus“ und an einer Veranstaltung über Lenin und die Pariser Kommunen und als letztes an dem Seminar, wie sich die Linke organisieren kann. Ich habe vor allem beim linken Journalismus mitgenommen, dass es den gibt und der nicht immer getrennt sein muss von den Mainstream Medien, sodass zwei Medienlandschaften entstehen, sondern dass man versuchen sollte, kritische Journalisten auch in die Medien zu bringen, die viele Leute erreichen. Allgemein, dass hier viele linke Gruppen sind und sich vernetzten, dass man zusammenhalten soll und zusammen kämpfen soll, finde ich, kommt hier sehr gut heraus.

Wie willst du weiter machen?
S: In Passau will ich jetzt bei den SDS-Veranstaltungen mitmachen, auch zu Themen die nicht so oft behandelt werden, wie die Pariser Kommune und das alles den Leuten irgendwie näher bringen. Außerdem will ich endlich wieder auf die Straße gehen, beispielweise im Rahmen der Studiengebühren, die ja in Bayern noch nicht abgeschafft sind. Ich will Demos mitplanen, Leute auf die Straße bringen und mich auch mehr vernetzen mit anderen Hochschulen und anderen linken Gruppen.[/box][/one_half_last]

[box type=“note“ head=“Philipp Schubert, AStA-Vorsitzender in Köln“]

Wie bewertest du als Organisator den Kongress nach den drei Tagen?
Ich würde sagen, dass der Kongress ein Erfolg war. Es war ein Forum für Menschen, die sich aus ganz Deutschland und aus ganz Europa getroffen haben, sich Gedanken über die Krise zu machen, in der wir uns momentan befinden. Zum einen gesellschaftliche Krisen, aber auch Krisen im Bildungsbereich. Leute haben sich getroffen, um Gedanken auszutauschen, wie man die Gesellschaft positiv verändern kann.

Was waren die Ziele vor dem Kongress? Und wurden diese erreicht?
Das Ziel war, viele Leute zu gewinnen, viele Leute zu politisieren, einzubeziehen und eine Bewegung aufzubauen, wo man sagen kann, wir möchten etwas schaffen, mit den Gruppen zusammenarbeiten und über die Probleme in der Welt diskutieren und daraus eine Schlussfolgerung ziehen. Der erste Schritt ist dafür getan. Der Kongress hat schon mal die Leute zusammengebracht. Es wurden Gedanken, Pläne und Ziele formuliert. Jetzt geht es für uns darum, die nächsten Schritte zu tun.

Du redest von Schritten, die folgen sollten. Welche wären diese?
In NRW wird das Hochschulgesetz neu novelliert. Darüber müssen wir uns Gedanken machen. Wir müssen ein gerechtes Bildungssystem schaffen.[/box]

Die Interviews führte Zilan Yavuz