Er spricht von „Moslem-Müllhalden“ in Deutschland, Flüchtlingen als „Invasoren“ (am besten von den USA gezielt nach Europa gelenkte Selbstmordattentäter, da das die neue Kriegsstrategie der USA gegen Europa sei) und sie sollten am besten „zu ihren Ziegenherden zurück“. Von Politikern spricht er als „Gauleiter gegen das eigene Volk“ und mit Blick auf die Bürger, die deutschen Politikern aufgrund ihrer rassistischen und hetzerischen „Sorgen“ nicht ganz genehm sind, sagt er: „Es gäbe natürlich andere Alternativen, aber die KZ`s sind ja leider derzeit außer Betrieb!“. Das sind nur einige Beispiele des ekelerregenden und provokativen Hirnschmalzes eines Herrn Akif Pirincci, der auf einer Pegida-Demo in Dresden unter dem Deckmantel des „besorgten Bürgers“, der „Deutschland über alles liebt“ und „Deutschland als seine Mutter“ sieht, auf den Putz haute. Leider drehten sich die Kommentare und Diskussionen danach meist nur noch um die KZ-Aussage, die teilweise auch in falschem Zusammenhang wiedergegeben wurde. Pirincci hatte keine KZ`s für die Unterbringung von Flüchtlingen gefordert, sondern die „Asylkritiker“ und „besorgten Bürger“ als Opfer von Politik und Medien dargestellt. Demnach sind alle, die sich als „Asylkritiker“ oder „patriotische Europäer“ bezeichnen und sich vor Flüchtlingsheimen mit „Widerstand, Widerstand“-Rufen und Fackeln aufstellen, die modernen Juden von heute und die Politiker die Nazis, die sie unterdrücken und vernichten wollen!

Rassismus mittlerweile salonfähig

Aber: Egal, ob Pirincci KZ`s für Flüchtlinge gefordert hat oder die Rassisten als die Opfer der aktuellen Flüchtlingspolitik darstellen wollte: In seiner widerlichen Rede fanden sich viele rassistische und faschistische Vorurteile und Aussagen wieder, die seit mehreren Jahren unter dem Deckmantel der Meinungsfreiheit und „Das-Darf-Man-Doch-Sagen-Dürfen“-Mentalität vor allem im Internet und auf Stammtischen kursieren und mittlerweile in jedem Forum und unter jedem Artikel zum Thema Migration und Flüchtlinge von seinesgleichen formuliert werden. Pirinccis „Moslem-Müllhalde“ entspricht Sarrazins „Kopftuchmädchen produzierende Gemüsehändler“. Seine „Gauleiter“ sind die „Deutschland-Abschaffer“ bei Sarrazin. Und seine „Invasoren“ sind bereits von Schröder und Bosbach als „volles Boot“ bezeichnet worden. Rassismus ist seit Jahren systematisch salonfähig gemacht worden. Pirincci ist hierbei lediglich die Spitze des Eisberges!

„Assimilierter Türke“ als Schoßhündchen

Also eigentlich nichts neues, außer… Ja, außer dass es sich um so scharfe Worte aus dem Munde eines „assimilierten“, homophoben und chauvinistischen Türken handelt! Denn diese Aussagen sind dann in der rechten Szene kistenweise Gold wert. Der „Lieblingsausländer“ der „wahren europäischen Patrioten“, der Nazi-Zeitung „Junge Freiheit“ und des rechtspopulistischen Blogs PI-News sagt Sachen, die aus dem Munde eines sogenannten Biodeutschen auch nach 70 Jahren berechtigterweise tabu sind! Aus dem Munde des „Türken“ hört sich die ein- und selbe Aussage anscheinend anders an und Tabus sind auf einmal keine mehr!

Pirincci ist ein selbstverliebter, ehemals erfolgreicher Katzen-Autor, der sich gerne als Playboy ausgibt und traumatisiert vom eigenen sozialen Abstieg anscheinend nichts mehr zu verlieren hat und daher versucht, sich durch Provokation jene Aufmerksamkeit zu holen, nach der ein selbstverliebter Narziss halt giert. Auch schlechte Publicity ist Werbung, so war es ihm anscheinend auch egal, das 95 % seiner Leser von rechten und ultrarechten verweisenden Webseiten verlinkt kamen und deren Hass schürende Vorurteile und Ängste er befeuerte, wie das sein ehemaliger Blogger in einem Abschiedsbrief erklärte.

Pirinccis Durchbruch in der nationalistisch-rassistischen Ecke gelang ihm anlässlich des Todes eines deutschen Jugendlichen, nachdem er von einer ausländischen Gang zu Tode verprügelt worden war. Pirincci schilderte das „Rudeltottreten“ als Freizeitspaß der Migrantengangs und malte das Szenario eines ethnischen Bürgerkriegs aus. Er wurde schnell zum Helden stilisiert, zum Vorhängeschild für rechtes Gedankengut. „Wenn schon ein Türke sowas sagt, dann muss es ja stimmen. Er ist ja ein Experte für den islamischen Kulturkreis, gel?“ Es sind die Personen mit „Migrationshintergrund“ wie Pirincci, Kelek, Broder oder Giordano, die jene Aufgabe der Kritik an „multikulturellem Zusammenleben“ übernehmen, an die sich sogenannte Bio-Deutsche selbst nicht herantrauen. Sie können rote Striche und Tabus leichter übertreten. So auch Pirincci, der sehr konsequent die Rolle durchzog, die ihm sein Publikum gegeben hatte. Er teilte gerne gegen Ausländer, am besten Moslems aus und reizte den Bogen so weit aus, wie es nur ging.

Worte der Reue?

Aber mit seiner Dresden-Rede hat er anscheinend ein bisschen übertrieben. „Ich habe gedacht, das wäre eine Lesung“, rechtfertigt er sich später in einem Interview. Weiter weist er jegliche Verantwortung von sich. Er sei doch nur ein Provokateur, der unterhalten wolle. Pegida sei ähnlich einem Rockkonzert, wo es darum ginge, sich selbst zu feiern, so der Autor. Vor diesem Hintergrund habe er die mögliche Wirkung seiner Rede falsch eingeschätzt. „Ein Riesenfehler“, der seine Existenz zerstört habe. Nun überlege er, auszuwandern, aber in keine muslimische Gesellschaft… Worte der Reue?

Das Traurige: Unter dem Artikel sicherlich ein früherer Pirincci-Anhänger: „Können Sie bitte einige Ihrer Landsleute die sich hier als Standup Comedians versuchen bitte auch mitnehmen. Danke schön!“ So schließt der Kreis: Wenn Leute wie Kelek, Broder oder Pirincci irgendwann einmal überflüssig werden, weil sie wesentlich dazu beigetragen haben, dass es keine politischen und „rassischen Tabus“ mehr gibt, dann werden ihre Kameraden von einst ihnen den Rücken kehren.

Oktay Demirel