Es heißt: imageFrauen in Männerberufen sind heiß begehrt, doch die Realität sieht anders aus.

Schon an der Universität haben es Frauen weitaus schwerer, als ihre männlichen Kommilitonen. Schaut man sich die Ingenieurwissenschaften einer Technischen Hochschule an, sind die Zahlen erschreckend. Weniger als ein Fünftel der Studierenden sind weiblich. Oft liegt es nicht nur daran, dass Frauen diese Berufe nicht ansprechend finden, sondern auch daran, dass sie sich selbst nicht zutrauen in dieser männerdominierten Welt Fuß fassen zu können.

Und diejenigen, die sich trauen, haben von Anfang an mit Diskriminierung aufgrund ihres Geschlechtes zu kämpfen. Es fängt an mit der Belästigung in der Universität bis zur Ungleichbehandlung auf der Arbeit.

Sexismus an der Hochschule ist heute noch ein alltägliches Problem, doch immer noch wird es normalisiert und totgeschwiegen. Es sollte auf keinen Fall geduldet werden, dass der ganze Hörsaal pfeift, weil eine Frau reinkommt. Doch der Alltag an technischen Universitäten und Hochschulen sieht anders aus, wo dies kein seltenes Phänomen ist.

„Es ist mir mittlerweile wirklich unangenehm in die Vorlesungen zu gehen, wenn ich mich verspäten sollte und alleine in den Hörsaal gehen müsste, meistens entscheide ich mich dann die Veranstaltung komplett ausfallen zu lassen, nur damit ich diese Situation nicht erleben muss“ erzählt eine Studentin der Elektrotechnik, einer technischen Universität.

Die Reaktionen der Professoren könnten unterschiedlicher nicht sein. Von denen, die darüber lachen bis zu denen, die die Vorlesung abbrechen, letzteres ist eher ein seltener Fall.

Doch es ist so, dass der Sexismus in der Hochschule nicht nur von den Kommilitonen aus geht, auch Professoren bedienen teilweise einen frauenfeindlichen Umgang.

Sex sells kann auch oftmals ein Mittel der Professoren sein, um den Stoff der Vorlesung ‚attraktiver‘ zu gestalten.

Es kommt immer öfter vor, dass Studentinnen oder Mitarbeiterinnen von Professoren belästigt werden. In solche Fällen fühlen sich die Opfer meistens hilflos, da sie meist abhängig von dem Lehrpersonal sind. Oft ist der Sexismus an der Hochschule für viele junge Frauen der Grund das Studium abzubrechen, weil sie mit dem Druck nicht mehr klar kommen.

Noch gibt es keine deutschlandweite Studie über Sexismus an der Hochschule, was auch das mangelnde Interesse der Gesellschaft, an der Selbstverwirklichung der Frau darlegt.

Die letzte Studie dieser Art ist von 1992 an der FU Berlin und verdeutlicht die Belästigung und Diskriminierung trotzdem sehr: Circa 47% der Studentinnen wurden schon mal an der Hochschule belästigt, knapp 40% der Belästigungen gingen von Lehrenden aus.

Der Anteil der weiblichen Professorinnen liegt in Deutschland bei nur 20%.

Vor allem bei technischen Studiengängen sucht man vergeblich nach einer Professorin.

„Ich habe nur eine weibliche Professorin und das im Fach Informatik, obwohl ich sehr viele Fächer habe“, berichtet eine Maschinenbaustudentin.

Herkömmliche Aussagen, dass Frauen von Natur aus nicht für einen Beruf geschaffen sind, gibt es hingegen kaum noch. Es überwiegt das Argument, dass beispielsweise Habilitationen schwierig mit dem Wunsch der Frauen, nach einer Familie zu vereinbaren seien. Dabei wird der Frau die alleinige Verantwortung für die Kinder und Familie zugeschrieben, wo hingegen viele männliche Professoren verheiratet sind und Kinder haben.

Der Sexismus hört nach der Hochschule allerdings nicht auf. Im späteren Berufsleben wird die Frau ebenfalls ungleich behandelt. Sie kriegt bei gleicher Arbeit 22% weniger Lohn, als ihre männlichen Kollegen. Wenn sie dazu noch einen Migrationshintergrund hat, ist sie doppelt benachteiligt.

Der Sexismus verhüllt sich in verschiedene Formen, mal offen, mal verdeckt und begegnet uns in allen Bereichen dieser Gesellschaft. Die Konfrontation mit Sexismus und mit sexueller Gewalt in der Schule, Universität oder am sind keine Einzelfälle, sondern ein Produkt des patriarchalen Systems.

Zilan Deniz Yavuz