Eine Jugendsprache gibt es in allen Ländern der Welt und in jeder sozialen Schicht und Klasse. Es ist die Selbsdefinition und die Identitätsfindung der Jugendlichen, die diesen Jargon nur unter Gleichaltrigen sprechen. Denn hier unter den sogenannten Peer Groups verbreiten sich neue Wörter schneller, als in anderen Altersgruppen. Doch kann die Jugendsprache nichts eine einzige, in sich abgeschlossene Sprache angesehen werden, weil die Jugend auch nicht homogen nicht. Somit existieren mehr Sprachenvarietäten. Ein Schüler spricht anders, als ein Student, ein Musiker spricht anders als ein Arbeiter und ein Jugendlicher aus armen 946658Verhältnissen spricht auch nochmal anders, als einer aus reichen Verhältnissen. Genau diese Identitätsfindung meinen die Sprachwissenschaftler, wenn sie über die Jugendsprache sprechen.

Wenn man Jugendliche sprechen hört, stellt man sich oft die Frage, warum sie die Sprache missbrauchen. Der Autor und Sprachwissenschaftler Hermann Ehmann versucht in seiner Doktorarbeit eine Antwort auf diese Frage zu finden. Bei Ehmann spielt der Protestaspekt eine große Rolle. Wenn Jugendliche sich in ihrer Sprechweise von anderen Menschen abgrenzen, dann sei es eine bewusste Entscheidung. Er geht gleichzeitig auf den Aspekt der Credibility ein, was so viel heißt wie, dass die Jugendlichen die Wörter oder den Dialekt aussuchen, der zu ihnen passt und authentisch ist. Gleichzeitig spielt bei der Jugendsprache der emotionale Aspekt eine große Rolle. Denn Jugendliche in der Pubertät, die auch noch mit zusätzlichen Problemen zu kämpfen haben, werden ihre Emotionen mit ihren Ausdrücken los. Aufgebaute Aggressionen werden so abgebaut.

Es gibt kontroverse Diskussionen unter den Sprachwissenschaftlern. Die einen sagen, dass die Jugendsprache einen Sprachwandel darstelle, wohingegen andere diese als einen Sprachverfall bezeichnen. Ganz unabhängig, ob die Sprache weiterentwickelt oder zerstört wird, ganz klar ist, dass Sprache mehr ist, als nur ein Instrument, welches zum Kommunizieren dient. Die Jugendlichen identifizieren sich mit der Sprache, die sie sprechen und sie ist ihre verbale Waffe gegen die Außenwelt. Daher ist es kein großer Zufall, dass Jugendliche mit Migrationshintergrund die Sprachen mixen und zweisprachig sprechen.